Lella Tonet
„Früher war alles einfach, wir hatten wenig und waren sehr glücklich. Wir lebten mehr im Einklang mit den Rhythmen der Natur. All das trage ich immer in mir; es ist ein Wegweiser zu dem, was ich für menschlich und richtig halte.
Ich wurde Ende der 1950er-Jahre in den Hügeln des Veneto bei Valdobbiadene geboren, einem unberührten Ort mit einfachen Menschen, einer ausgeprägten Ethik und tief verwurzelten Werten.
Meine Mutter war nach dem Krieg in die Schweiz ausgewandert und hatte Arbeit in einer Strickerei gefunden. So hielt die Strickmode Einzug bei uns zu Hause.
Schon als kleines Kind half ich ihr in der Familienwerkstatt. Wir hatten auch einen kleinen Raum, in dem die Damen vorbeikamen, um etwas einzukaufen. Ich erinnere mich noch daran, wie ich sie als Kind bat, mir die Kleidungsstücke herunterzureichen, die weiter oben lagen, weil ich nicht an die Regale herankam.
Lella Tonet im Alter von 14 Jahren auf den Stufen der Abtei von Follina
Mein Vater ging zu den Häusern in unseren Tälern und brachte die Früchte unserer Arbeit nach Hause. Wenn es gut lief, brachte er Obst und ein paar Süßigkeiten mit – und das reichte, um zu feiern.
Eine liebe Erinnerung aus jener Zeit ist für mich das Stopfen von Socken: Ein Gastwirt aus der Gegend sammelte sie, wenn sein Lokal geschlossen war, bei den Familien in der Umgebung ein und brachte sie zu uns, damit wir sie flickten. Noch heute erzähle ich diese Geschichte, denn sie lehrt uns etwas Wichtiges aus der Vergangenheit: Wir müssen die Dinge wertschätzen, die Menschen erschaffen, und dürfen nicht verschwenden, was sie mit viel Mühe hergestellt haben.
Als junges Mädchen träumte ich davon, aus unserem kleinen Betrieb ein richtiges Modehaus zu machen. Es war eine persönliche Herausforderung: In einer Zeit, in der Frauen stets im Schatten standen, waren wir vor allem ein Unternehmen von Frauen für Frauen. So präsentierte ich mit 17 Jahren meine erste Kollektion. Obwohl ich Ornella heiße, stellte ich mich als Lella vor, meinem Spitznamen, und seitdem nennen mich alle so.
In jenen Jahren experimentierten wir viel, und nach und nach gelang es mir, unsere Stricktradition mit maßgeschneiderten Kreationen zu verbinden.
Lella Tonet bei der Arbeit an einer Kollektion
Nach und nach gelang es mir, meinen Gedanken eine harmonischere Form zu geben, und sie begannen auch außerhalb unseres wunderbaren Italiens Anklang zu finden.
Ich beschloss, die Kollektion nach meiner Familie zu benennen: TONET, denn letztlich hat sie ihren Ursprung in der Familie und findet bis heute in ihr ihren Mittelpunkt. Wer die Menschen, die Natur und die Ethik vergisst, beraubt die Mode all ihrer Gefühle und damit auch all ihres Wertes.
Mit Pastellfarben, wie sie dem Auge in unserer Landschaft begegnen, und einem schlichten, raffinierten Stil haben wir im Laufe der Jahre unermüdlich nach Strickmustern, Verarbeitungen und Details gesucht, um die Geschichte von TONET, unsere Geschichte, Schöpfung für Schöpfung zu erzählen."